Future of Work

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird durch die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen mehr und mehr vereinfacht.

Die Wirtschafts- und Arbeitswelt stehen vor einem radikalen Strukturwandel - von allseits bekannten, klassischen Organisationsstrukturen hin zur digitalisierten, dezentralen Ökonomie. Diese technisch-basierte Transformation umfasst alle bis dato festgelegten Stufen der industriellen Wertschöpfungskette und macht umfassende Anpassungen der Unternehmen und Arbeitnehmer notwendig.

Von der Errichtung unternehmenseigener Kommunikationskanäle, bis hin zu Tools für digitale Teamarbeit – das Arbeitsleben soll immer individueller und unabhängiger gestaltet werden. Dabei wird auch das Privatleben zunehmend von der fortschreitenden Vernetzung und steigenden Nutzung digitaler Endgeräte charakterisiert. Beruf und Familie – ab sofort Begriffe, die keiner Trennung mehr unterliegen müssen.

Industrie 4.0

In der heutigen Zeit der Plakatierung ist es kein Wunder, dass diesem sozioökonomischen Phänomen schnell ein eigener Name zuteil wurde – Industrie 4.0. Dieser Begriff steht für die Umwälzungen der Informationssysteme innerhalb der Arbeitswelt, aber eben auch für die damit einhergehenden Vorteile für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Wo traditionelle Arbeitsmodelle meist eine feste Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben vorsahen und auf der Präsenz im Unternehmen innerhalb fester Zeiten beruhten, ermöglichen die auf digitaler Vernetzung basierenden Arbeitsmodelle eine größere Unabhängigkeit vom festen Arbeitsort und unterstützen dabei eine höhere Selbstorganisation der Erwerbstätigen.

Die Nutzung verzweigter Informations- und Kommunikationstechnologien bietet vor allem in den Branchen des Dienstleistungssektors große Chancen. Arbeitsprozesse werden bezüglich ihrer zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Komponenten auf ein Maximum individualisiert und so flexibler gemacht, um beispielsweise auf die sich ständig ändernden Marktgegebenheiten reagieren zu können – und das ohne feste physische Strukturen.

Ein Merkmal der Industrie 4.0 ist, zum Beispiel in der Produktion, die etappenweise Übernahme elementarer Aufgaben durch Computersoftware, die von überall her gesteuert werden kann. Auch auf dem Gebiet der Kranken- und Altenpflege kann durch die Einführung räumlich unabhängiger und jederzeit zugänglicher Kommunikationssoftware ein noch effizienteres Arbeiten sichergestellt werden. Der mobile Zugriff auf Schicht- oder Medikamentenpläne stellt hier nur eine mögliche Form der Vernetzung dar.

Erfolgsfaktor Familie

Wie beeinflusst nun selbstbestimmtes Arbeiten das Familienleben? Grundsätzlich basiert dieses neue Arbeitskonzept, das mit dem Familienleben Hand in Hand geht, auf 5 Faktoren:

  1. Flexible Zeiteinteilung – wer beispielsweise vom Home Office Gebrauch macht kann die Arbeitszeiten besser mit den Schul- oder Kindergartenzeiten abstimmen. Vor allem für Alleinerziehende ist das ein wichtiger Punkt.
  2. Leichterer Wiedereinstieg – ein ortsungebundenes Arbeitsmodell ermöglicht es frisch gebackene Eltern nach und nach in das Berufsleben zurückfinden, ohne von Beginn an von ihrem Kind viele Stunden täglich getrennt zu sein.
  3. Ein Minimum an zeitlichem Aufwand – Wer von zu Hause aus arbeitet verzichtet auf unnütze Zeitfresser wie die Fahrt zum Büro. Das spart auch Kosten und kommt künftigen Deadlines zu Gute.
  4. Bessere Konzentration – morgens aufstehen und schon steht man im “Büro”, ohne lärmende Kollegen und in einem vertrauten Arbeitsumfeld. Eine bessere Voraussetzung für konzentriertes Arbeiten ist kaum vorstellbar.
  5. Höhere Motivation – wer ein ausgeglichenes Leben führt arbeitet präziser. Eigenverantwortliches Arbeiten nach den eigenen Vorstellungen fördert nicht nur das Privatleben, sondern motiviert auch im Beruf.

Nachmittags die Kinder abholen und später im Home Office weiterarbeiten, das gehört heutzutage in einigen Betrieben zur Tagesordnung. Unabhängig davon, wie oft man genau vom Home Office Gebrauch macht, gemäß einer Umfrage stecken 80% der Eltern mit minderjährigen Kindern die dadurch frei werdende Zeit in familiäre Aktivitäten, 71% in die Haushaltsführung, 52% in private Interessen und 32% in die Entlastung ihrer berufstätigen Partner.

Virtuelle Projektteams, Home Office, Cloud-Working & Co.

Bei all den logistischen und zeitlichen Vorzügen des häufig angewandten Home Office, muss aber eins klar sein: das Arbeiten von zu Hause aus ist eben genau das – eine Arbeit. Auch hier gelten professionelle Standards wie Erreichbarkeit und ungeteilte Konzentration auf die berufliche Aufgabe.

Das mittlerweile stark in den Köpfen vieler Menschen verankerte Bild von der am Laptop arbeitenden Mutter mit dem Baby auf dem Schoß ist demnach eher unrealistisch. Also was umfasst eigentlich das Konzept „Home Office“?

Ganz allgemein wird diese Form des ungebundenen Arbeitens auch als Telearbeit bezeichnet. Diese hat sich seit den Siebzigerjahren zunehmend etabliert, entweder als heimbasierte Telearbeit, die ausschließlich aus dem heimischen Büro erfolgt, oder in Form der alternierenden Telearbeit, vom Betrieb und von zu Hause aus.

Beides basiert also auf einem fest installierten Computerarbeitsplatz in der heimischen Umgebung. Während der letzten Jahre wurde das Konzept vor allem durch die Zunahme des mobilen Arbeitens beeinflusst - eine durch ein mobiles Endgerät (Laptop o.Ä.) digital unterstützte und damit zeitlich sowie örtlich flexible Arbeitsform, die im Gegensatz zur Telearbeit nicht an den festgelegten Heimarbeitsplatz gebunden ist.

Doch neben dem Home Office-Konzept gibt es viele weitere Arbeitsmodelle, die sich in den vergangenen Jahren, vorrangig in deutschen Start-Ups, erfolgreich etabliert haben. So zum Beispiel die virtuellen Projektteams, die von unterschiedlichen Orten aus Zugriff auf die entsprechenden Arbeitsinhalte haben und sich mittels Informations- und Kommunikationstechnologien digital selbst koordinieren. Auch auf diesem Weg wird in vielen Branchen die Wichtigkeit der Anwesenheit der Beschäftigten im Unternehmen auf ein Minimum reduziert.

Ein weiterer an Bedeutung gewinnender Begriff ist das sogenannte Cloud-Working. Cloud-Working beschreibt das Arbeiten mit Programmen, die ihre Daten nicht auf dem Endgerät, sondern in einem Rechenzentrum speichern. Das ermöglicht zum einen den orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf die Daten und andererseits das Zusammenarbeiten mehrerer Personen in einer Datei oder einem Programm. Schon allein deswegen wird das Cloud-Working auch häufig im Homeoffice angewandt.

Ein Europavergleich

Trotz der erläuterten Vorteile zeigt ein kurzer Europavergleich zum Thema „flexible Arbeitsbedingungen“, dass diese neue Form des modernen Arbeitens in Deutschland vergleichsweise noch wenig Anklang findet. Zwar konnten Beschäftigte im Jahr 2012 in 64% der deutschen Firmen flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten nutzen, das Home Office-Prinzip gibt es allerdings in gerade einmal 11% der deutschen Unternehmen.

Schaut man sich die Situation in den Niederlanden an, zeigt sich, dass es durchaus anders möglich ist. Hier haben Angestellte, die in einem Unternehmen mit über zehn Personen beschäftigt sind, seit Juli 2015 sogar einen rechtlichen Anspruch auf einen Tag Homeoffice pro Arbeitswoche.

Auch am Beispiel Österreich sieht man, dass Punkto Home Office viel weiter geht. Laut einer Studie des VCÖ aus dem Jahr 2015 setzten schon damals über 15% der Unternehmen auf das Arbeiten von zu Hause aus. Absoluter Spitzenreiter in diesem Bereich sind allerdings die skandinavischen Länder. Allein in Dänemark haben 48,9% der Unternehmen das Home Office eingeführt, in Schweden sind es immerhin 43%.

Deutschland befindet sich bezüglich des mobilen Arbeitens also noch in der Entwicklungsphase. Interessant hierbei ist allerdings die Tatsache, dass laut einer ipsos-Studie aus dem Jahr 2011 knapp 50% der befragten Arbeitnehmer gerne von zu Hause aus, oder einem anderen Ort als dem Büro arbeiten wollen würden. Der Wille ist also da, nun muss nur noch der richtige Weg gefunden werden.