Wiedereinstieg

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Rückkehr in den Beruf? Wie viele Stunden im Job sind vereinbar mit einem glücklichen und für alle Beteiligten zufrieden stellenden Familienleben?

Immer mehr Mütter kehren in den Beruf zurück. Laut Familienreport 2014 liegt die Müttererwerbstätigkeit bei 67 Prozent. Viele von ihnen steigen bereits nach einer kurzen Elternzeit wieder ein. So sind 54 Prozent der Mütter mit Kindern im Alter zwischen zwei und drei Jahren und 41 Prozent mit ein- bis zweijährigen Kindern erwerbstätig. Gleichzeitig wollen über drei Viertel der nicht erwerbstätigen Mütter gerne wieder arbeiten. Ein Trend, der sich auch in Zukunft weiter fortsetzen wird. Denn der Wunsch nach einer früheren Rückkehr und einer höheren Stundenzahl ist ungebrochen. Dass der Wiedereinstieg für viele aber noch immer Wunschdenken bleibt, zeigt, dass es nicht immer ganz einfach ist. Dabei arbeitet der demografische Wandel für berufstätige Mütter und Väter. Die meisten Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, auf ihre qualifizierten Mitarbeiter zu verzichten. Und anhand der aktuellen politischen Debatten (Stichwort: mehr weibliche Führungskräfte) wird deutlich, dass die Politiker erkannt haben, welches Potenzial gerade bei den - zum großen Teil sehr motivierten - Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern schlummert.

Jetzt oder nie?

Wann der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg gekommen ist, hängt sehr von der individuellen Situation der jeweiligen Familie, aber auch vom Beruf ab. Eine Studie „Der Beruf und die Dauer von Erwerbsunterbrechungen“ hat herausgefunden, dass Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, Wochenendarbeit, Arbeitsverträge und Zugänglichkeit für unterschiedliche Eingangsqualifikationen ausschlaggebend sind, für die Dauer der Familienzeit. Ungünstige Arbeitsbedingungen verzögern bei den meisten Frauen den Wiedereinstieg. Die Experten sind sich aber einig, dass je schneller eine Frau nach der Geburt der Kinder wieder in den Beruf einsteigt, desto besser und einfacher. Daniela Sauermann von „Frauen-coachen-Frauen“ aus Berlin ist der Überzeugung: „Die Arbeitswelt entwickelt sich so rasant, dass es im Endeffekt keinen Unterschied macht, ob Frauen drei Jahre oder länger aus dem Beruf aussteigen. Wichtig ist nur, dass sie sich klar machen, was sie können und was sie wollen“. Sie empfiehlt Frauen, die nach einer Teilzeitstelle suchen, flexibel zu sein. Oftmals sei es leichter mit potentiellen Arbeitgeber über zwei volle Tage zu verhandeln als über fünf halbe.

Der Wiedereinstieg beginnt vor dem Ausstieg

Wenn Sie planen, nach der Elternzeit wieder an Ihren alten Arbeitsplatz zurück zu kehren, gilt: Der Wiedereinstieg beginnt vor dem Ausstieg. Noch bevor Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer für längere Zeit in die Elternzeit gehen, sollten Sie überlegen, wie Sie den Wiedereinstieg gestalten wollen: Wie lange planen Sie, Elternzeit zu nehmen? Wie können Sie garantieren, dass Sie fachlich „am Ball“ bleiben, während Sie in Elternzeit sind? Viele Unternehmen bieten Eltern in Elternzeit die Möglichkeit, Urlaubsvertretungen zu übernehmen oder in Stoßzeiten stundenweise mitzuarbeiten. Rechtlich haben Sie die Möglichkeit, während der Elternzeit bis zu 30 Wochenstunden zu arbeiten.

Werden Sie nach der Elternzeit wieder Vollzeit oder lieber in Teilzeit einsteigen? Gibt es die Möglichkeit, bestimmte Aufgaben von Zuhause aus zu erledigen? Je konkreter Sie Ihr Projekt „Wiedereinstieg“ gestalten, desto leichter werden Sie Ihre Vorstellungen bei Ihren Vorgesetzten und der Personalabteilung durchsetzen können.

Los geht‘s - Der Neuanfang als Chance

Wer nach langer Pause wieder in den Beruf einsteigen möchte, stößt in der Regel auf eine Vielzahl von Widrigkeiten. Wenn Sie wieder in Ihrer „alten“ Firma arbeiten können und wollen – was schon ein wichtiger erster Schritt ist - ist es nicht einfach, eine Beschäftigung zu finden, die sich dann auch noch mit Ihrem relativ jungen Familienleben vereinbaren lässt. So motiviert Sie auch sind, Ihre Flexibilität ist möglicherweise durch die Kinder eingeschränkt.

Aber wie heißt es so schön: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!“ Sehen Sie Ihren Neuanfang als Chance. Wer nicht in seine alte Position zurückkehren kann, sollte nicht daran verzweifeln, sondern dies als Chance für einen Neuanfang sehen. „Insbesondere Frauen, grübeln viel zu viel. Oft ist es besser, einfach den ersten Schritt zu tun. Natürlich nicht ganz planlos, aber wer zu viel nachdenkt, stößt immer wieder auf mentale Hindernisse, die vielleicht in der realen Welt so gar nicht existieren,“ sagt Elke Flettner, Wiedereinstiegscoach aus Alzenau. „Wer sich ständig im Kreis dreht, sollte sich überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, sich mal mit einem Coach zu unterhalten. Oftmals kann dieser dabei helfen, den Kopf frei zu bekommen.“ Während des Coachings werden gemeinsam die Wünsche und Erwartungen der Berufsrückkehrer ausgelotet und mögliche Perspektiven aufgezeigt. Es werden die Stärken ausgearbeitet und gemeinsam herausgefunden, wohin der Weg führt. Denn je besser Sie um Ihre Stärken wissen, desto besser können Sie diese dem potentiellen Arbeitgeber vermitteln und um so wahrscheinlicher erhalten Sie eine Anstellung.

Auch in den Arbeitsagenturen gibt es bereits seit vielen Jahren spezielle Ansprechpartner, die schwerpunktmäßig Berufsrückkehrer in die Erwerbstätigkeit vermitteln. In der Regel wissen diese auch, welche Trainings- und Weiterbildungsmöglichkeiten, sowie Berufsorientierungskurse angeboten werden. Viele Arbeitsagenturen bieten auch Infotage an.

Was heißt hier: „nur Mutter“ oder „nur Vater“

„Es ist nicht möglich, dass Sie nichts lernen!“, weiß Dr. Marianne Vollmer, Personalberaterin aus Mannheim. In ihrem Buch „Raus aus dem Haus: Familienkompetenzen“, das sie gemeinsam mit dem österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, herausgebracht hat, zeigt sie den „nur“ Hausfrauen und Müttern beziehungsweise auch Hausmännern und Vätern, welche Kompetenzen sie in den Jahren der Haushaltsführung und Kindererziehung erworben haben. Denn, um den Arbeitsplatz „Haushalt und Familie“ ausfüllen zu können, müssen sie zahlreiche Anforderungen erfüllen. Sie müssen unternehmens-, in diesem Fall familienbezogen, denken und handeln, Sie müssen planen, koordinieren und die Umsetzung kontrollieren, Entscheidungen fällen, delegieren, führen, motivieren und noch vieles mehr. Alles Managementfähigkeiten, die für den beruflichen Alltag von großer Bedeutung sind. Nicht umsonst spricht man heute gern von der „Familienmanagerin“. Wer sich das vor Augen hält, wird bei einem Bewerbungsgespräch ganz anders auftreten können und nicht mehr sagen: „Ich war nur zu Hause“, sondern: „In der Zeit zu Hause habe ich genau die Fähigkeiten entwickelt, die Ihr Unternehmen sucht!“

Aus- und Weiterbildung während der Auszeit

Der Arbeitsmarkt verändert sich immer schneller. Wer für längere Zeit nicht am Erwerbsleben teilgenommen hat, wird beizeiten an seine Grenzen stoßen. Das Computerprogramm, das Sie noch vor wenigen Jahren blind bedienen konnten, ist heute veraltet. Apparaturen, die vor Ihrem Ausstieg innovativ waren, gehören heute zum Alteisen. Es ist also ratsam, sich vor dem Wiedereinstieg auf den neuesten Stand zu bringen. Das erhöht zum einen die Chancen beim Vorstellungsgespräch und zum anderen garantiert es einen reibungsloseren Wiedereinstieg.

Befinden Sie sich noch in einem Angestelltenverhältnis und ist die Weiterbildung von betrieblichem Interesse, können Sie sich die Maßnahme durch den Arbeitgeber bezuschussen oder in manchen Fällen sogar komplett finanzieren lassen. Werden die Kosten nicht durch den Arbeitgeber übernommen, können Sie einen Bildungsgutschein oder „Meister-BAföG“ beantragen. Einen Bildungsgutschein erhalten all diejenigen, für die eine Teilnahme notwendig ist, um wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden zu können oder wenn eine konkrete Arbeitslosigkeit droht. Das Meister-BAföG ist für Handwerkerinnen und Handwerker sowie Fachkräfte, die sich weiterbilden wollen. Gerade wenn Sie nicht wieder in den alten Beruf zurückkehren wollen, könnte ein Meister-BAföG interessant sein. Denn auch eine Neuorientierung braucht ein gutes Fundament, das durch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen gelegt werden kann.

Die von den Arbeitsagenturen angebotenen Trainings- und Weiterbildungsangebote dauern zwischen sechs und zwölf Monaten und können sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit absolviert werden. Ganz fortschrittliche Arbeitsagenturen bieten parallel zu den Kursen eine Kinderbetreuung, andere geben einen Kostenzuschuss, der aber bei der Arbeitsagentur beantragt werden muss.

Kinderbetreuung regeln

Eine zuverlässige Kinderbetreuung ist die Grundvoraussetzung für einen gelungenen Wiedereinstieg. Und es geht dabei nicht nur darum, dass die Kinder versorgt sind, während man selbst erwerbstätig ist, sondern darum, dass die Kinder in ein liebevolles Umfeld kommen und nach Möglichkeit sogar noch individuell gefördert werden. Viele Unternehmen bieten bereits Unterstützung bei der Organisation der Kinderbetreuung an und verfügen über einen Ansprechpartner im Unternehmen, der oder die Sie bei der Suche nach der idealen Betreuungsform unterstützt. Die Bertelsmann Stiftung hat eine Checkliste entwickelt, die Eltern dabei hilft, eine gute Kita für ihre Kinder zu finden. In vielen Fallen haben größere Unternehmen eigene Kindergärten eingerichtet oder besitzen Belegplätze in nahegelegenen Kindergärten. Aber die Bandbreite der Möglichkeiten zur Kinderbetreuung ist beliebig groß und so individuell wie die Kinder selbst. Für Eltern, die sich für andere Länder und Sitten interessieren und sich dies auch für Ihre Kinder wünschen, bietet sich das Au-pair Modell an. Das Au-pair wird als vollwertiges Mitglied in die Familie aufgenommen und kümmert sich sechs Stunden pro Tag um das Kind. Einziger Nachteil: Ein Au-pair ist immer eine Lösung für maximal ein Jahr. Dann geht die Suche wieder los. Mehr Kontinuität bringt da eine Kinderfrau. Diese sind in Deutschland allerdings sehr teuer. Alternative: Die Tagesmutter. Zwar werden die Kinder in der Regel dann nicht in den eigenen vier Wänden betreut, aber die Betreuungszeiten bei einer Tagesmutter können dafür flexibel gehandhabt werden. Auch denkbar ist eine Kombination: Kindergarten und Au-pair oder Tagesmutter, wenn beide Elternteile in Vollzeit erwerbstätig sind. Oder Tagesmutter und Au-pair, solange der Nachwuchs noch nicht im Kindergarten oder in der Schule ist.

Ganz wichtig ist aber immer: Den Ausnahmefall einkalkulieren! Was ist, wenn das Kind krank wird? Können Sie dann von zu Hause aus arbeiten? Wohnen die Großeltern in der Nähe und könnten dann einspringen? Oder haben Sie Freunde, die für diesen Fall die Pflege übernehmen können?

Netzwerken hilft.

Von Frauen noch oft als „Vetterleswirtschaft“ eher verpönt, sollte der Nutzen von Netzwerken nicht unterschätzt werden. Und wenn frau mal ganz ehrlich zu sich ist, hat sie selbstverständlich auch ein Netzwerk, welches sie, in den meisten Fällen aber lediglich privat nutzt. Nutzen Sie zu allererst das eigene, schon bestehende Netzwerk und gehen Sie dann auch nach draußen. Es gibt unzählige Netzwerke, viele davon speziell für Frauen.

Hier finden Sie Netzwerke nach Berufsgruppen. Eine detaillierte Auflistung finden Sie unter: www.lob-magazin.de

Durchhalten!

In den wenigsten Fällen klappt der Wiedereinstieg sofort. Und wenn er dann geklappt hat, ist es oft auch nicht genau so, wie man es sich vorstellt. In beiden Fällen heißt es: „Durchhalten! Das wird schon!“ Fragen Sie doch mal Ihre Kollegen, wie bei ihnen die Vereinbarkeit funktioniert. Sie werden ganz schnell feststellen, dass bei niemandem alles Gold ist, was glänzt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, aber jeder hat auch wieder eine andere Idee, wie diese Herausforderungen gemeistert werden können. „Aus der eigenen Erfahrung zu lernen, ist das Einzige was man mit ihr Positives anstellen kann. Aber viel eleganter ist es, wenn man die Erfahrung anderer Menschen nutzt. Man spart schlechte Gefühle, Geld und Zeit und kann in der Zukunft noch erfolgreicher agieren, weil man von einem höheren Niveau startet“, so Flettner.

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