Home-Office hilft nur bedingt – Ein Kommentar

Bilder von Eltern am Laptop und Kind auf dem Schoß wollen uns suggerieren: Arbeiten und gleichzeitig Kinder betreuen ist kein Problem. Aber dem ist nicht so!

Nicole Beste-Fopma
Journalistin & Autorin

Eine Videokonferenz halten und gleichzeitig die Kinder beim Homeschooling unterstützen? Geht leider auch nicht. Selbst wenn die Kinder nicht gleichzeitig lernen müssen, ist das fast unmöglich, wie das Video des britischen Professors Robert Kelly, das schon 2017 viral gegangen ist, uns deutlich gezeigt hat. Je kleiner die Kinder desto schwieriger. Denn je jünger die Kinder, desto kürzer können sie sich konzentrieren oder auch mal alleine spielen. Wer im Homeoffice arbeitet, muss sich aber genau so auf die Arbeit konzentrieren können, wie jemand, der oder die am Schreibtisch im Büro seine oder ihre Aufgaben erledigt. 


Kinderbetreuung auch im Home-Office notwendig

Für Mitarbeitende mit Kindern hat Homeoffice nur dann etwas mit Vereinbarkeit zu tun, wenn für die Kinder während der Zeit im Homeoffice eine Betreuung bereit steht. Wenn dann auch noch Familienangehörige gepflegt werden müssen, wird es noch mal herausfordernder. Je nachdem wie groß der Pflegeaufwand ist, kann das für die pflegenden Angehörigen bedeuten, dass sie von einige Stunden pro Woche bis einige Stunden pro Tag für ihre Angehörigen da sein müssen. Eine Herausforderung, die schon ohne Pandemie einen hohen Grad an Organisation bedeutet, während einer Pandemie und ständigen Lockdowns aber kaum mehr zu bewältigen ist. In aller Regel wiegen die Vorteile des Home-Office, die eingesparte Pendelzeit, die Nachteile der fehlenden Unterstützung durch Dritte nicht auf. 


Home-Office und Mental Load

Hinzu kommt, dass es im Homeoffice weder eine Kantine gibt, in der die größte Herausforderung darin besteht, sich das beste, bereits fertig gekochte Essen auszusuchen und zum Tisch zu jonglieren. Es gibt auch keine Putzfirma, die sich um den aufgewirbelten Staub und die vollen Mülleimer kümmert. Weder werden die Wasserflaschen automatisch aufgefüllt, noch kocht der eine oder die andere Kollegin mal schnell einen Kaffee, an dem sich alle bedienen können. Ganz im Gegenteil: Wer im Homeoffice arbeitet, muss sich überlegen, was auf dem Tisch stehen soll und meistens sind die Mitesser und Mitesserinnen durchaus wählerisch. Wer es um sich herum ordentlich braucht, um konzentriert arbeiten zu können, sieht den Berg Wäsche förmlich vor sich. Kann sich nicht wieder entspannt an den Schreibtisch setzen, wenn die Küche noch nicht wieder ordentlich aufgeräumt ist.


Home-Office und das schlechte Gewissen 

Nicht zu vernachlässigen – das schlechte Gewissen, dass Beschäftigte mit Kindern im Homeoffice haben. Viele meinen, zu wenig zu leisten. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass auch die ständige Erreichbarkeit Beschäftige länger und härter arbeiten lassen. Mit zum Teil schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit.


Wer die Mitarbeitenden des Unternehmens unterstützen möchte, sollte sich unseren Beitrag: „Die Sandwich-Generation verstehen und unterstützen“ durchlesen. 

Wer selbst betroffen ist, der oder dem helfen sicherlich unsere Tipps für das „ Im Homeoffice mit Kindern“.

Bildnachweis: Pexels – Karolina Grabowska

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